Theaterabend mit DKG-Tradition

EF-Deutschkurse unterwegs: Ein Theaterabend mit den „Physikern“!

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Am Montag, dem 22. Mai 2017, besuchten wir und weitere interessierte Schülerinnen und Schüler der EF-Deutschkurse mit Frau Nowack, Frau Thelen, Herrn Schwarz und Herrn Dickhaut das Horizont-Theater am Thürmchenswall, um eine Aufführung des Stückes „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt zu sehen.

Der Besuch des Theaters stellte den Abschluss einer etwa zweimonatigen Unterrichtsreihe dar, in der wir uns ausführlich mit diesem Werk auseinandergesetzt hatten.

Dürrenmatts Komödie, spielt in dem Sanatorium Fräulein Doktor Mathilde von Zahnds, der letzten Vertreterin einer alten Familien-Dynastie und Chefärztin der Klinik, in die sich drei Physiker als Geisteskranke hineingeschmuggelt haben. Einer von ihnen behauptet, Albert Einstein zu sein, der andere Sir Isaac Newton. Der Dritte, Möbius, hatte bei seinen Studien die Weltformel entdeckt und sich aus Sorge um Machtmissbrauch durch seine Erkenntnisse als Verrückter, dem der König Salomo erscheine, in die Klinik einweisen lassen. Seine Mitpatienten, Einstein und Newton, aber sind in Wahrheit Agenten der beiden Supermächte der 1960er Jahre, die hinter sein Geheimnis kommen wollen. Der Konflikt endet damit, dass die Chefärztin die Geheimnisse der Patienten aufdeckt und Möbius‘ Aufzeichnungen für eigene Zwecke missbraucht, während die anderen dauerhaft gefangen sind.

Um das Werk in seiner ganzen Komplexität zu verstehen, setzten wir uns in den vorangegangenen Unterrichtsstunden besonders mit der Analyse des Dialogs, der Figuren-, wie der Handlungsanalyse auseinander. Charakterisiert wurden dabei insbesondere die Chefärztin, Möbius und seine Ex-Frau Lina, die nur kurz in Erscheinung tritt. Nicht zu vernachlässigen war dabei der historische Kontext – die politische Lage zur Zeit der Entstehung des Stückes – steckte die Welt doch noch tief im Kalten Krieg zwischen den beiden Supermächten UdSSR und den USA, die mit ihren Agenten als „Einstein“ und „Newton“ im Werk vertreten sind, letztlich jedoch nichts gegeneinander, geschweige denn gegen den Plan der Chefärztin, ausrichten können. Neben der Untersuchung der im Drama gebrauchten Sprache bereiteten wir uns zum Ende hin auf die Klausur vor, die eine Szenenanalyse zum Thema hatte.

Der abschließende Besuch im Horizont-Theater bildete den Höhepunkt der Reihe. Überragende Schauspieler, die durch perfekte Kontrolle ihrer Mimik, Gestikulation und pointierte Betonungen zu überzeugen vermochten, in Kombination mit einer in angemessenem Maße abgeänderten Version des Stückes und einer idealen Atmosphäre im gemütlichen Keller-Saal des Theaters, erzeugten bei der Mehrheit des Publikums sichtbar Freude und Genuss. Einerseits waren für uns der humorvolle Einsatz wilder Fratzen und plötzliche, überzeugend gespielte Anfälle der Darsteller „Highlights“ des Abends. Andererseits war es zugleich interessant festzustellen, welch große Unterschiede bei der Betonung bestimmter Phrasen zwischen unserer Vorstellung und der tatsächlichen Ausführung der Schauspieler herrschten. Eine durchaus gelungene Interpretation von Dürrenmatts Stück.

Interessanterweise befindet sich das Horizont-Theater in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Schulgebäude des Dreikönigs-, vormals Marzellengymnasiums, das 1976 nach dem Bau des heute sanierungsbedürftigen Gebäudes an der Escher Straße geräumt wurde.

Am früheren Hause am Thürmchenswall befindet sich immer noch eine bronzene Gedenktafel zur früheren Nutzung durch die Schule, vor der gleich eine kleine Gruppe unserer Theatergänger für ein Foto posierte.

Christoph Berlet und Clemens Heiming, EF